
Mit rund 500 Exponaten aus acht Jahrhunderten begibt sich die Ausstellung auf eine vielschichtige Spurensuche. Zu sehen sind beeindruckende und kuriose, erstaunliche und wunderschöne, bekannte und fast vergessene Objekte aus der Museumssammlung: vom schmucklosen Tonkrug bis zum stylischen 70er-Jahre Aschenbecher, von Uromas Küchenherd bis zum zeitlosen Zippo, vom schwarzen Bakelit-Telefon bis zum futuristischen Fernseher. Leitobjekt ist der Schrank. Schränke aus den verschiedenen Epochen und ihr sich verändernder Inhalt werden zum Sinnbild für wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandel.
Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf.
Die Ausstellung thematisiert die Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass wir heute über eine solche Fülle von Dingen verfügen, und hinterfragt, warum wir so abhängig von ihnen sind. War der Begriff Konsum in vorindustrieller Zeit noch negativ besetzt, so entstand im 17./18. Jahrhundert bereits eine dynamische Konsumkultur angefacht von technischem Fortschritt und der Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen im Kolonialismus. Ein Quantensprung war die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der Beginn der Massenproduktion. Die Produktpalette wuchs, Waren- und Kaufhäuser entstanden. Nach 1945 begann die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs mit Rationalisierungen in der Produktion, technischen und strukturellen Neuerungen in der Landwirtschaft und Selbstbedienung im Handel. Elektronische Konsumgüter wurden erschwinglich, globale Massenprodukte eroberten den Markt. Seit dem 20. Jahrhundert sind Auswahl, Erwerb und Verbrauch von Dingen zu einem zentralen Bestandteil unseres Lebens geworden. Konsum prägt unseren Alltag ebenso wie unser Selbstbild. Mit materieller Kultur zeigen wir, wer wir sind und wer wir sein wollen. Identität, Politik und Wirtschaft werden zunehmend von dem definiert, was und wie wir konsumieren.
Die KONSUM-Ausstellung greift übergeordnete Themen auf wie Identität und Konsum, geschlechterspezifischen Konsum, Teilhabe und Nachhaltigkeit. Medien und Hands-on-Stationen vertiefen Fragestellungen nach den Schattenseiten des Konsums, Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, Abfallproblematik oder Umweltschutz.
Vor der Konsumgesellschaft
(bis zum 16. Jh.)
Intro
In vorindustriellen Zeiten versteht man unter Konsum etwas anderes als heute. Das lateinische consumere bedeutet „verbrauchen“ oder „aufzehren“. Gemeint ist vollständiger Verbrauch von Dingen.
Dinge nutzen, bis sie verbraucht sind
Im Mittelalter werden Alltagsdinge immer wieder repariert und letztlich vollständig „aufgebraucht“. Holz ist das bevorzugte Material für viele Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge und Häuser. Dinge des täglichen Bedarfs wie Vorratsgefäße, Kochtöpfe und Krüge sind aus Ton und Keramik und müssen bei Bruch ersetzt werden. Metalle wie Eisen sind teuer und werden sparsam verwendet.
Prunkgeschirr: Reichtum zeigen und sichern
Gegenstände aus Metall finden sich ab dem 15. Jahrhundert häufiger in den Haushalten: Kupfertöpfe, -kessel und -kannen oder Geschirr aus Zinn. Wohlhabende Haushalte besitzen auch Stücke aus Silber. Wertvolles Prunkgeschirr wird bei Festen zur Schau gestellt und demonstriert Reichtum: Der Rat einer Stadt besitzt das „Ratssilber“, die Zünfte das „Zunftgeschirr“. Der Wert von Prunkgeschirr bemisst sich am Edelmetall, nicht am Arbeitslohn es ist eine Kapitalanlage. In Notzeiten kann es verpfändet oder eingeschmolzen werden.
Luxus aus Norditalien
Im 15. Jahrhundert erleben die norditalienischen Städte einen wirtschaftlichen Aufschwung durch Handel, Bankwesen und Textilproduktion. In Lucca, Florenz und Venedig erlernen Handwerker Herstellung und kunstvolle Gestaltung von Seide, Papier und Glas. Der Handel mit solchen Luxusgütern versorgt die Paläste der Adligen in Mitteleuropa und Skandinavien.
Beginn einer neuen Konsumkultur
(17. und 18. Jh.)
Intro
Im 17. und besonders im 18. Jahrhundert verändert sich die Bewertung von Konsum grundlegend. Er gilt nicht mehr nur als moralisches Risiko, sondern zunehmend als wirtschaftlich nützlich und gesellschaftlich produktiv. Der globale Handel wächst und bringt neue Waren nach Europa. Er ist eng mit Kolonialismus und der Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen verbunden.
Europäische Handelskompanien und neue Waren
Im 17. Jahrhundert bauen europäische Handelskompanien eigene weltweite Handelsnetze auf. Die Engländer gründen 1600 die East India Company. Die Niederlande folgen 1602 mit der Ostindien- und 1621 mit der Westindien-Kompanie. Von ihren Stützpunkten aus organisieren die Kompanien den Handel mit Gewürzen, Textilien, Porzellan und anderen Waren aus Asien, Afrika und Amerika. Die wachsende Warenvielfalt fördert eine neue Konsumkultur in Europa.
Handel und Austausch mit Asien
Porzellan und Seide aus Asien sind im Europa der Frühen Neuzeit begehrte Luxusgüter. Echtes Porzellan wird ausschließlich in China hergestellt. Auch nach der Erfindung des europäischen Porzellans 1708 in Meißen bleiben Dekore mit Pagoden, Pflanzen und Figuren beliebt und prägen die Vorstellung vom „fernen Osten“. Wirtschaftlich sind China und Indien bis ins 18. Jahrhundert zentrale Akteure des Welthandels.
Neue Kleidermoden
Fortschritte beim Spinnen, Stricken, Färben und Drucken machen die europäische Textilproduktion zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert vielfältiger und ihre Produkte erschwinglicher. Neue Materialien, leuchtende Farben, gemusterte Stoffe verändern Kleidung und Wohntextilien. Bekleidung wird zum Ausdruck für individuellen Geschmack, Modebewusstsein, gesellschaftliche Teilhabe und soziale Ambitionen.
Genussmittel
Kaffee, Tee, Kakao, Zucker und Tabak gelangen ab dem 16. Jahrhundert über die neuen Seehandelsrouten nach Europa. Die zunächst seltenen Luxusgüter werden wegen ihres Aromas und ihrer belebenden Wirkung geschätzt. Im 18. Jahrhundert sinken ihre Preise mit dem Ausbau der Handelsnetze und der kolonialen Plantagenwirtschaft, die auf dem massenhaften Einsatz versklavter Menschen setzt.
Bürgerliches Wohnen
Seit dem 18. Jahrhundert verändert sich das Wohnen in vielen Städten. Wohn- und Arbeitsbereich werden zunehmend getrennt. Die Wohnung wird zum Rückzugsort und zugleich zur Bühne der Selbstdarstellung. Möbel, Bilder und Haushaltsgegenstände zeigen den eigenen Geschmack. Während sich der Adel durch Tradition und Herkunft definiert, nutzt das Bürgertum Konsum, um soziale Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Aufstieg sichtbar zu machen.
Industrialisierung und moderne Konsumkultur
(19.–20. Jh.)
Intro
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstehen neue Produktionsweisen, Materialien und Designs. Gleichzeitig wird über Qualität und Gestaltung diskutiert. Waren- und Kaufhäuser bieten eine stetig wachsende Produktvielfalt an.
Maschinenmöbel und Massenware
Mit der Industrialisierung entstehen Fabriken, die eine breite Palette erschwinglicher Waren herstellen. Auch Möbel werden zunehmend industriell produziert. Erste Möbelfabriken produzieren in Serie für einen wachsenden Markt. Die Produkte können sich auch weniger Wohlhabende leisten. Zugleich suchen die Vertreter*innen der Reformbewegung nach schlichten und funktionalen Formen, die sich maschinell herstellen lassen.
Wohnen in den 1920er Jahren, Haushaltstechnologien und Sauberkeit
Neue Baumethoden, industrielle Fertigung und funktionale Gestaltung prägen Architektur und Alltagsgegenstände. Am neu gegründeten Bauhaus entwickelt man Ideen für eine hochwertige Wohnkultur mit klaren Formen und praktischem Nutzen. Neue Materialien und Produkte stehen für Komfort und Modernität, Sauberkeit und Hygiene. Elektrische Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Bügeleisen oder Herd versprechen Arbeitserleichterung.
Körperpflege und Hygiene
In Europa gilt Baden seit dem späten Mittelalter zeitweise als gesundheitlich riskant, Wasser als potenziell gefährlich. Adlige und Wohlhabende nutzen die „trockene Toilette“: Abreiben, Parfümieren, häufiges Wechseln der Kleidung. Man besitzt zahlreiche Dinge für die Körperpflege. Ende des 18. Jahrhunderts stellen Medizin und Naturwissenschaften Zusammenhänge zwischen Sauberkeit und Gesundheit fest. Mit den neuen Hygienevorstellungen kommen viele Körperpflege- und Schönheitsprodukte auf den Markt.
Konsum im Nationalsozialismus
Im Nationalsozialismus wird Konsum politisch instrumentalisiert. Er soll die Bevölkerung bei Laune halten und Loyalität zur propagierten „Volksgemeinschaft“ sichern. Beispiel dafür sind sogenannte Volksprodukte; Luxusgüter, wie Radio, Auto oder Kühlschrank, sollen durch massenhafte Verbreitung zu Gebrauchsgütern für alle werden. Doch ab 1936 fließen Rohstoffe und Finanzmittel in die Rüstungsindustrie. Im Kriegsalltag sind immer weniger Güter verfügbar. „Luxus für die Massen“ bleibt ein Versprechen für die Zukunft.
Konsumgesellschaft nach 1945
Intro
In Westdeutschland setzt in den 1950er/60er Jahren ein beispielloses Wirtschaftswachstum ein. Rationalisierungsprozesse in Industrie und Landwirtschaft, industrielle Massenproduktion sowie neue Verkaufsformen wie Selbstbedienung verändern den Konsum. Viele Waren werden erschwinglicher und prägen Alltag und Lebensstil.
Häuslicher Komfort
In der sogenannten Wirtschaftswunderzeit wächst das Angebot an Konsumgütern stetig. Die Löhne steigen, es ist mehr Freizeit verfügbar. Wohlstand dient zunehmend sozialer Selbstdarstellung und Konsum erfährt breite gesellschaftliche Zustimmung. Wohnungseinrichtungen und die Ausstattung mit technischen Geräten wie Radio, Fernseher, Küchen- und Haushaltsgeräten werden zu Symbolen für Komfort und Lebensstil. Sie markieren gesellschaftliche Teilhabe.
Reisen und Freizeit
Die Arbeitszeiten werden stärker geregelt. Feierabend zu festen Zeiten, arbeitsfreie Wochenenden, längerer gesetzlicher Erholungsurlaub machen Freizeit planbar. Camping, Ausflüge, gemeinsame Aktivitäten und Urlaub gewinnen an Bedeutung. Das Warenangebot für die Gestaltung der Freizeit wächst, ebenso die Palette der touristischen Dienstleistungen. Pauschalreisen kommen auf den Markt. Reisen wird zur „Ware“. Die Grundlagen für den internationalen Massentourismus sind gelegt.
Konsum in der DDR
In der DDR plant der Staat, welche Waren produziert und zu welchen Preisen sie verkauft werden. Man geht davon aus, dass gesellschaftliche Prozesse planbar sind und Menschen nur begehren, was sie zum Leben brauchen. Die sozialistische Wirtschaftsordnung versteht sich als Gegenentwurf zum „kapitalistischen Konsumwahn“, zu Verschwendung und Luxus. Doch es gibt Versorgungsengpässe und Fehlplanungen. Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Wohnung sind subventioniert und günstig, hochwertige Konsumgüter, technische Geräte und modische Kleidung sind Mangelware.
Jugend und Konsum
Die Kaufkraft von Jugendlichen steigt seit den 1950er Jahren. Mode, Musik, Freizeitaktivitäten und Accessoires dienen der Selbstfindung, sind Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit und auch von Individualität. Konsum wird positiv bewertet. Gleichzeitig entstehen in den 1960er und 1970er Jahren Protestbewegungen gegen Umweltzerstörung und Kapitalismus. Alternative Lebensstile bilden sich. Gegenkulturelle Ausdrucksformen werden schnell von Mode und Markt aufgegriffen und weltweit vermarktet.
Globale Massenprodukte
Konsum ist ein globales Phänomen. Weltweit finden sich dieselben Marken und Produkte in Supermärkten, Kaufhäusern und Online-Shops. Handelsabkommen, günstiger Transport und digitale Vernetzung beschleunigen ihre Verbreitung. Gleichzeitig ist der Konsum ungleich verteilt. Weltweite Massenproduktion hat ökologische und soziale Folgen: steigender Ressourcenverbrauch, Umweltbelastungen, Ausbeutung von Arbeitskräften, Dumpinglöhne, neue Abhängigkeiten in globalen Lieferketten.
Konsum heute
Intro
Im Laufe des 20. Jahrhunderts werden die vielfältigen Konsumartikel zum festen Bestandteil unseres Lebens. Konsum prägt Identität, Alltag und gesellschaftliche Beziehungen. Er beeinflusst Politik, Wirtschaft und Umwelt. Wir werden immer mehr von dem definiert, was und wie wir konsumieren. Der globale Konsum verbindet Menschen und Märkte weltweit, verschärft aber zugleich ökologische und soziale Konflikte.
Kunststoffe: Fortschritt und Problem
In der Zeit nach 1945 kommen mit dem Ausbau der petrochemischen Industrie zunehmend Kunststoffe zum Einsatz. Sie werden zum Symbol für Fortschritt und Wohlstand. Beständigkeit, Leichtigkeit, Flexibilität und geringe Kosten verändern bekannte Produkte und ermöglichen neue, z.B. in den Bereichen Kleidung, Spielzeug, Haushaltsgeräte, Möbel, Verpackungen. Heute sind Kunststoffe allgegenwärtig. Zugleich verursachen sie erhebliche Umweltprobleme. Der verantwortungsvolle Umgang mit ihnen ist eine zentrale Herausforderung.
Konsum und Nachhaltigkeit
In der letzten Abteilung der Ausstellung werden übergreifende Fragen zum persönlichen Konsum gestellt. Konsum wird häufig moralisch bewertet. Aber welche Produkte sind „gut“, welche „schlecht“, und nach welchen Kriterien können sie sortiert werden? Konsum und Verzicht stehen schon immer in einem Spannungsverhältnis. Angesichts des ungeheuren Ressourcen- und Energieverbrauchs bei Herstellung, Transport und Entsorgung von Waren, stellt sich die Frage nach Verzicht neu. Technische Lösungen allein werden nicht ausreichen, doch worauf können wir verzichten, wenn wir uns entscheiden müssen?

Mit rund 500 Exponaten aus acht Jahrhunderten begibt sich die Ausstellung auf eine vielschichtige Spurensuche. Zu sehen sind beeindruckende und kuriose, erstaunliche und wunderschöne, bekannte und fast vergessene Objekte aus der Museumssammlung: vom schmucklosen Tonkrug bis zum stylischen 70er-Jahre Aschenbecher, von Uromas Küchenherd bis zum zeitlosen Zippo, vom schwarzen Bakelit-Telefon bis zum futuristischen Fernseher. Leitobjekt ist der Schrank. Schränke aus den verschiedenen Epochen und ihr sich verändernder Inhalt werden zum Sinnbild für wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandel.
Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf.
Die Ausstellung thematisiert die Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass wir heute über eine solche Fülle von Dingen verfügen, und hinterfragt, warum wir so abhängig von ihnen sind. War der Begriff Konsum in vorindustrieller Zeit noch negativ besetzt, so entstand im 17./18. Jahrhundert bereits eine dynamische Konsumkultur angefacht von technischem Fortschritt und der Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen im Kolonialismus. Ein Quantensprung war die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der Beginn der Massenproduktion. Die Produktpalette wuchs, Waren- und Kaufhäuser entstanden. Nach 1945 begann die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs mit Rationalisierungen in der Produktion, technischen und strukturellen Neuerungen in der Landwirtschaft und Selbstbedienung im Handel. Elektronische Konsumgüter wurden erschwinglich, globale Massenprodukte eroberten den Markt. Seit dem 20. Jahrhundert sind Auswahl, Erwerb und Verbrauch von Dingen zu einem zentralen Bestandteil unseres Lebens geworden. Konsum prägt unseren Alltag ebenso wie unser Selbstbild. Mit materieller Kultur zeigen wir, wer wir sind und wer wir sein wollen. Identität, Politik und Wirtschaft werden zunehmend von dem definiert, was und wie wir konsumieren.
Die KONSUM-Ausstellung greift übergeordnete Themen auf wie Identität und Konsum, geschlechterspezifischen Konsum, Teilhabe und Nachhaltigkeit. Medien und Hands-on-Stationen vertiefen Fragestellungen nach den Schattenseiten des Konsums, Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, Abfallproblematik oder Umweltschutz.
Vor der Konsumgesellschaft
(bis zum 16. Jh.)
Intro
In vorindustriellen Zeiten versteht man unter Konsum etwas anderes als heute. Das lateinische consumere bedeutet „verbrauchen“ oder „aufzehren“. Gemeint ist vollständiger Verbrauch von Dingen.
Dinge nutzen, bis sie verbraucht sind
Im Mittelalter werden Alltagsdinge immer wieder repariert und letztlich vollständig „aufgebraucht“. Holz ist das bevorzugte Material für viele Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge und Häuser. Dinge des täglichen Bedarfs wie Vorratsgefäße, Kochtöpfe und Krüge sind aus Ton und Keramik und müssen bei Bruch ersetzt werden. Metalle wie Eisen sind teuer und werden sparsam verwendet.
Prunkgeschirr: Reichtum zeigen und sichern
Gegenstände aus Metall finden sich ab dem 15. Jahrhundert häufiger in den Haushalten: Kupfertöpfe, -kessel und -kannen oder Geschirr aus Zinn. Wohlhabende Haushalte besitzen auch Stücke aus Silber. Wertvolles Prunkgeschirr wird bei Festen zur Schau gestellt und demonstriert Reichtum: Der Rat einer Stadt besitzt das „Ratssilber“, die Zünfte das „Zunftgeschirr“. Der Wert von Prunkgeschirr bemisst sich am Edelmetall, nicht am Arbeitslohn es ist eine Kapitalanlage. In Notzeiten kann es verpfändet oder eingeschmolzen werden.
Luxus aus Norditalien
Im 15. Jahrhundert erleben die norditalienischen Städte einen wirtschaftlichen Aufschwung durch Handel, Bankwesen und Textilproduktion. In Lucca, Florenz und Venedig erlernen Handwerker Herstellung und kunstvolle Gestaltung von Seide, Papier und Glas. Der Handel mit solchen Luxusgütern versorgt die Paläste der Adligen in Mitteleuropa und Skandinavien.
Beginn einer neuen Konsumkultur
(17. und 18. Jh.)
Intro
Im 17. und besonders im 18. Jahrhundert verändert sich die Bewertung von Konsum grundlegend. Er gilt nicht mehr nur als moralisches Risiko, sondern zunehmend als wirtschaftlich nützlich und gesellschaftlich produktiv. Der globale Handel wächst und bringt neue Waren nach Europa. Er ist eng mit Kolonialismus und der Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen verbunden.
Europäische Handelskompanien und neue Waren
Im 17. Jahrhundert bauen europäische Handelskompanien eigene weltweite Handelsnetze auf. Die Engländer gründen 1600 die East India Company. Die Niederlande folgen 1602 mit der Ostindien- und 1621 mit der Westindien-Kompanie. Von ihren Stützpunkten aus organisieren die Kompanien den Handel mit Gewürzen, Textilien, Porzellan und anderen Waren aus Asien, Afrika und Amerika. Die wachsende Warenvielfalt fördert eine neue Konsumkultur in Europa.
Handel und Austausch mit Asien
Porzellan und Seide aus Asien sind im Europa der Frühen Neuzeit begehrte Luxusgüter. Echtes Porzellan wird ausschließlich in China hergestellt. Auch nach der Erfindung des europäischen Porzellans 1708 in Meißen bleiben Dekore mit Pagoden, Pflanzen und Figuren beliebt und prägen die Vorstellung vom „fernen Osten“. Wirtschaftlich sind China und Indien bis ins 18. Jahrhundert zentrale Akteure des Welthandels.
Neue Kleidermoden
Fortschritte beim Spinnen, Stricken, Färben und Drucken machen die europäische Textilproduktion zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert vielfältiger und ihre Produkte erschwinglicher. Neue Materialien, leuchtende Farben, gemusterte Stoffe verändern Kleidung und Wohntextilien. Bekleidung wird zum Ausdruck für individuellen Geschmack, Modebewusstsein, gesellschaftliche Teilhabe und soziale Ambitionen.
Genussmittel
Kaffee, Tee, Kakao, Zucker und Tabak gelangen ab dem 16. Jahrhundert über die neuen Seehandelsrouten nach Europa. Die zunächst seltenen Luxusgüter werden wegen ihres Aromas und ihrer belebenden Wirkung geschätzt. Im 18. Jahrhundert sinken ihre Preise mit dem Ausbau der Handelsnetze und der kolonialen Plantagenwirtschaft, die auf dem massenhaften Einsatz versklavter Menschen setzt.
Bürgerliches Wohnen
Seit dem 18. Jahrhundert verändert sich das Wohnen in vielen Städten. Wohn- und Arbeitsbereich werden zunehmend getrennt. Die Wohnung wird zum Rückzugsort und zugleich zur Bühne der Selbstdarstellung. Möbel, Bilder und Haushaltsgegenstände zeigen den eigenen Geschmack. Während sich der Adel durch Tradition und Herkunft definiert, nutzt das Bürgertum Konsum, um soziale Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Aufstieg sichtbar zu machen.
Industrialisierung und moderne Konsumkultur
(19.–20. Jh.)
Intro
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstehen neue Produktionsweisen, Materialien und Designs. Gleichzeitig wird über Qualität und Gestaltung diskutiert. Waren- und Kaufhäuser bieten eine stetig wachsende Produktvielfalt an.
Maschinenmöbel und Massenware
Mit der Industrialisierung entstehen Fabriken, die eine breite Palette erschwinglicher Waren herstellen. Auch Möbel werden zunehmend industriell produziert. Erste Möbelfabriken produzieren in Serie für einen wachsenden Markt. Die Produkte können sich auch weniger Wohlhabende leisten. Zugleich suchen die Vertreter*innen der Reformbewegung nach schlichten und funktionalen Formen, die sich maschinell herstellen lassen.
Wohnen in den 1920er Jahren, Haushaltstechnologien und Sauberkeit
Neue Baumethoden, industrielle Fertigung und funktionale Gestaltung prägen Architektur und Alltagsgegenstände. Am neu gegründeten Bauhaus entwickelt man Ideen für eine hochwertige Wohnkultur mit klaren Formen und praktischem Nutzen. Neue Materialien und Produkte stehen für Komfort und Modernität, Sauberkeit und Hygiene. Elektrische Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Bügeleisen oder Herd versprechen Arbeitserleichterung.
Körperpflege und Hygiene
In Europa gilt Baden seit dem späten Mittelalter zeitweise als gesundheitlich riskant, Wasser als potenziell gefährlich. Adlige und Wohlhabende nutzen die „trockene Toilette“: Abreiben, Parfümieren, häufiges Wechseln der Kleidung. Man besitzt zahlreiche Dinge für die Körperpflege. Ende des 18. Jahrhunderts stellen Medizin und Naturwissenschaften Zusammenhänge zwischen Sauberkeit und Gesundheit fest. Mit den neuen Hygienevorstellungen kommen viele Körperpflege- und Schönheitsprodukte auf den Markt.
Konsum im Nationalsozialismus
Im Nationalsozialismus wird Konsum politisch instrumentalisiert. Er soll die Bevölkerung bei Laune halten und Loyalität zur propagierten „Volksgemeinschaft“ sichern. Beispiel dafür sind sogenannte Volksprodukte; Luxusgüter, wie Radio, Auto oder Kühlschrank, sollen durch massenhafte Verbreitung zu Gebrauchsgütern für alle werden. Doch ab 1936 fließen Rohstoffe und Finanzmittel in die Rüstungsindustrie. Im Kriegsalltag sind immer weniger Güter verfügbar. „Luxus für die Massen“ bleibt ein Versprechen für die Zukunft.
Konsumgesellschaft nach 1945
Intro
In Westdeutschland setzt in den 1950er/60er Jahren ein beispielloses Wirtschaftswachstum ein. Rationalisierungsprozesse in Industrie und Landwirtschaft, industrielle Massenproduktion sowie neue Verkaufsformen wie Selbstbedienung verändern den Konsum. Viele Waren werden erschwinglicher und prägen Alltag und Lebensstil.
Häuslicher Komfort
In der sogenannten Wirtschaftswunderzeit wächst das Angebot an Konsumgütern stetig. Die Löhne steigen, es ist mehr Freizeit verfügbar. Wohlstand dient zunehmend sozialer Selbstdarstellung und Konsum erfährt breite gesellschaftliche Zustimmung. Wohnungseinrichtungen und die Ausstattung mit technischen Geräten wie Radio, Fernseher, Küchen- und Haushaltsgeräten werden zu Symbolen für Komfort und Lebensstil. Sie markieren gesellschaftliche Teilhabe.
Reisen und Freizeit
Die Arbeitszeiten werden stärker geregelt. Feierabend zu festen Zeiten, arbeitsfreie Wochenenden, längerer gesetzlicher Erholungsurlaub machen Freizeit planbar. Camping, Ausflüge, gemeinsame Aktivitäten und Urlaub gewinnen an Bedeutung. Das Warenangebot für die Gestaltung der Freizeit wächst, ebenso die Palette der touristischen Dienstleistungen. Pauschalreisen kommen auf den Markt. Reisen wird zur „Ware“. Die Grundlagen für den internationalen Massentourismus sind gelegt.
Konsum in der DDR
In der DDR plant der Staat, welche Waren produziert und zu welchen Preisen sie verkauft werden. Man geht davon aus, dass gesellschaftliche Prozesse planbar sind und Menschen nur begehren, was sie zum Leben brauchen. Die sozialistische Wirtschaftsordnung versteht sich als Gegenentwurf zum „kapitalistischen Konsumwahn“, zu Verschwendung und Luxus. Doch es gibt Versorgungsengpässe und Fehlplanungen. Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Wohnung sind subventioniert und günstig, hochwertige Konsumgüter, technische Geräte und modische Kleidung sind Mangelware.
Jugend und Konsum
Die Kaufkraft von Jugendlichen steigt seit den 1950er Jahren. Mode, Musik, Freizeitaktivitäten und Accessoires dienen der Selbstfindung, sind Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit und auch von Individualität. Konsum wird positiv bewertet. Gleichzeitig entstehen in den 1960er und 1970er Jahren Protestbewegungen gegen Umweltzerstörung und Kapitalismus. Alternative Lebensstile bilden sich. Gegenkulturelle Ausdrucksformen werden schnell von Mode und Markt aufgegriffen und weltweit vermarktet.
Globale Massenprodukte
Konsum ist ein globales Phänomen. Weltweit finden sich dieselben Marken und Produkte in Supermärkten, Kaufhäusern und Online-Shops. Handelsabkommen, günstiger Transport und digitale Vernetzung beschleunigen ihre Verbreitung. Gleichzeitig ist der Konsum ungleich verteilt. Weltweite Massenproduktion hat ökologische und soziale Folgen: steigender Ressourcenverbrauch, Umweltbelastungen, Ausbeutung von Arbeitskräften, Dumpinglöhne, neue Abhängigkeiten in globalen Lieferketten.
Konsum heute
Intro
Im Laufe des 20. Jahrhunderts werden die vielfältigen Konsumartikel zum festen Bestandteil unseres Lebens. Konsum prägt Identität, Alltag und gesellschaftliche Beziehungen. Er beeinflusst Politik, Wirtschaft und Umwelt. Wir werden immer mehr von dem definiert, was und wie wir konsumieren. Der globale Konsum verbindet Menschen und Märkte weltweit, verschärft aber zugleich ökologische und soziale Konflikte.
Kunststoffe: Fortschritt und Problem
In der Zeit nach 1945 kommen mit dem Ausbau der petrochemischen Industrie zunehmend Kunststoffe zum Einsatz. Sie werden zum Symbol für Fortschritt und Wohlstand. Beständigkeit, Leichtigkeit, Flexibilität und geringe Kosten verändern bekannte Produkte und ermöglichen neue, z.B. in den Bereichen Kleidung, Spielzeug, Haushaltsgeräte, Möbel, Verpackungen. Heute sind Kunststoffe allgegenwärtig. Zugleich verursachen sie erhebliche Umweltprobleme. Der verantwortungsvolle Umgang mit ihnen ist eine zentrale Herausforderung.
Konsum und Nachhaltigkeit
In der letzten Abteilung der Ausstellung werden übergreifende Fragen zum persönlichen Konsum gestellt. Konsum wird häufig moralisch bewertet. Aber welche Produkte sind „gut“, welche „schlecht“, und nach welchen Kriterien können sie sortiert werden? Konsum und Verzicht stehen schon immer in einem Spannungsverhältnis. Angesichts des ungeheuren Ressourcen- und Energieverbrauchs bei Herstellung, Transport und Entsorgung von Waren, stellt sich die Frage nach Verzicht neu. Technische Lösungen allein werden nicht ausreichen, doch worauf können wir verzichten, wenn wir uns entscheiden müssen?